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In unserem Zentrum gibt es eine kleine, aber feine Leihbibiliothek mit guten Büchern zu den Themen Kinderwunsch, weiblicher Zyklus, Schwangerschaft, Geburt, Leben mit Baby oder Kleinkind, Familie, Frauen und und und.

Das Besondere daran? Jedes einzelne Buch wurde von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter unseres Zentrums gelesen und für gut befunden.

Zu unseren Entlehnzeiten könnt ihr jederzeit hereinschneien, schmökern und euch beraten lassen.

Bestand:

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Buchrezensionen:

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Aktuelle Rezension:

Weitertragen? Wenn das Ungeborene behindert oder nicht lebensfähig ist

Katharina Rost: Wenn ein Kind nicht lebensfähig ist. Das Austragen der Schwangerschaft nach infauster pränataler Diagnose –Erfahrungen betroffener Frauen. Osnabrück: V&R unipress, 2015.


Kathrin Fezer Schadt und Carolin Erhardt-Seidl: Weitertragen. Wege nach pränataler Diagnose – Begleitbuch für Eltern, Angehörige und Fachpersonal. Salzburg: edition riedenburg, 2018.

 

Als Beraterin für pränatale Diagnostik habe ich immer wieder mit Eltern zu tun, die aufgrund einer Auffälligkeit bei ihrem ungeborenen Baby vor der Entscheidung zwischen spätem Schwangerschaftsabbruch und Weitertragen stehen. Der Schwangerschaftsabbruch ist bei schweren Behinderungen der häufigere Weg und wird von den betroffenen Eltern oft als präferierte Entscheidung empfunden. Die zwei Bücher, die ich hier vorstelle, möchten zur konstruktiven Diskussion über Alternativen anregen.
Das Buch „Wenn ein Kind nicht lebensfähig ist“ der Hebamme Katharine Rost beruht auf einer Studie mit Müttern, die ihr Kind nach infauster pränataler Diagnose ausgetragen haben. Wie gestalten sich die Entscheidungsprozesse, welche Schwierigkeiten sind dabei zu bewältigen, und welche Ressourcen befähigen die Frauen, ihre Kinder im Spannungsfeld von Geburt und Tod zu tragen? Informationen, Zahlen und Fakten über die Schwangerenvorsorge und Pränataldiagnostik (in Deutschland), über Fehlbildungsraten und die Häufigkeit infauster Prognosen leiten das Thema ein und sind interessant für alle, die mit werdenden Müttern in Kontakt sind.
Danach geht es um die Mitteilung einer schlechten Diagnose, den Ablauf der Untersuchungssituation und die Gestaltung der Diagnosemitteilung. Welche Rolle spielt die Formulierung? Was wird als hilfreich erlebt? Die Autorin stellt unterschiedliche Studien vor, die zeigen, dass vielen Frauen bereits bei der Diagnosemitteilung der zeitnahe Schwangerschaftsabbruch als »Lösung« aufgezeigt wird bzw. sie den Abbruch als die vom Diagnostiker bzw. der Diagnostikerin präferierte Entscheidung empfinden. Während sich die Frauen, die die Schwangerschaft abbrechen, von den behandelnden Ärzten und Ärztinnen gut versorgt fühlen, trifft dies nur auf einen Teil der Frauen zu, die sich für das Weitertragen entscheiden.
Das ist auch die Erfahrung von Kathrin Fezer Schadt und Carolin Erhardt-Seidl, den Autorinnen von „Weitertragen“. Sie möchten mit ihrem Buch eine Lücke schließen und Mütter bzw. Eltern unterstützen, die während der Schwangerschaft mit einem auffälligen Ergebnis konfrontiert sind. In ihrem Buch geht es nicht ausschließlich um Schwangerschaften nach infauster Diagnose, sondern auch um solche nach weniger schwerwiegenden oder unklaren Befunden.
Im ersten Teil des Buches werden, nach einer allgemeinen Erklärung der unterschiedlichen Untersuchungen, die üblichen Schritte der Diagnosestellung und der ersten Zeit danach erklärt. Dabei wird der Entscheidung selbst viel Raum gegeben und auf Alternativen wie Adoption, Pflegefamilien und anonyme Geburt eingegangen. Nach eigener Aussage wollen die Autorinnen kein „Anti-Abtreibungsbuch“ schreiben, sondern möglichst wertfrei den Handlungsspielraum betroffener Familien erweitern und Alternativen aufzeigen.
Nach dem Motto „Wir sind trotz allem schwanger“ beschäftigt sich der zweite Teil des Buches mit den üblichen Themen rund um die einzelnen Schwangerschaftstrimester, den Umgang mit Schmerzen bei der Geburt, Bonding, Stillen usw. Auf diese Weise möchte das Buch ein Schwangerschaftsratgeber für jene Frauen und Männer sein, die aufgrund einer traumatischen Erfahrung mit den allzu unbeschwerten Ratgebern nichts mehr anfangen können, sich aber trotzdem für den Verlauf von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett interessieren.
Im dritten Teil schließlich geht es um das Weiterleben – ob mit einem behinderten „Erdenkind“ oder nach dem Tod eines „Sternenkindes“. Abgerundet wird das Buch mit einem Kontaktverzeichnis, dem Hinweis auf Selbsthilfegruppen und der Vorlage für Briefe.
In seiner Vielseitigkeit und der Kombination von Erfahrungsberichten mit gut aufbereitetem Fachwissen ist das Buch ist für betroffene Eltern, Angehörige, Fachpersonen und Interessierte gleichermaßen zu empfehlen.

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